Dienstag, 28. April 2015
10.000 Menschen in Duisburg haben keine Krankenversicherung
Duisburg. Rund 11.000 Zuwanderer aus Südosteuropa leben in Duisburg. Nur wenige sind krankenversichert. Ein neues Projekt soll helfen, das Problem zu lösen.
Die provisorische Arztpraxis im alten Pfarrhaus am Petershof in Duisburg-Marxloh ist eine Anlaufstelle für Menschen, die in Duisburg leben, aber nicht krankenversichert sind. Der Leiter des Petershofes, Pater Oliver Potschien, hat hier einmal pro Woche eine kostenlose Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung eingerichtet. Und die ist immer völlig überlaufen. Zwischen 30 und 40 Patienten kommen an jedem Donnerstag – Tendenz steigend, sagt Schwester Ursula Preußer, die im Sprechstunden-Team mitarbeitet.
Das weiß auch Dr. Dieter Weber, Leiter des Gesundheitsamtes, und schlägt Alarm. Rund 10.000 Menschen ohne Krankenversicherung leben aktuell in Duisburg, so seine Schätzung. Die meisten von ihnen seien Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, die sich nach Deutschland aufgemacht haben und hier auf bessere Lebensumstände hoffen. Aber auch Deutsche seien darunter. „Zum Beispiel Selbstständige, die aus finanziellen Gründen auf einen Versicherungsschutz verzichtet haben“, sagt Weber.
Schon ein Minijob bringt Menschen in die Pflichtversicherung
Diese enorm hohe Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung sei ein „Riesenmissstand", der bekämpft werden müsse. Aber wie? Darüber führt der Amtsarzt derzeit intensive Gespräche mit dem NRW-Gesundheitsministerium. Mittelfristig soll es gelingen, eine möglichst große Zahl der betroffenen Menschen in ein Arbeitsverhältnis zu bringen. „Wenn sie einen Minijob antreten würden, wären sie pflichtversichert“, erklärt Weber.
Dafür werde im kommenden halben Jahr eine so genannte Clearingstelle in Duisburg eingerichtet. Dort sollen Sozialarbeiter dabei helfen, die Versicherungsverhältnisse der betroffenen Personen zu klären. Fördergelder sollen dies möglich machen. Wie genau die Sozialarbeiter mit den betroffenen Menschen in Verbindung kommen sollen und aus welchen Töpfen das Geld dafür nach Duisburg fließen soll, ist derzeit aber noch völlig unklar.
Kostenlose Impfungen in Duisburg
Das NRW-Gesundheitsministerium bestätigte auf Nachfrage lediglich, dass es erste Gespräche über eine solche Maßnahme gegeben habe. Details zur Umsetzung könne das Ministerium aber noch nicht nennen.
Dabei ist das Problem keineswegs neu. Bereits 2012 initiierte die Stadt Duisburg das Gesundheitsnetz "Medinet" , das die Gesundheitsversorgung bei Kindern aus Zuwandererfamilien verbessern sollte. Teil des Netzes ist die Sprechstunde am Petershof sowie ein inzwischen wieder eingestelltes Sprechstundenangebot in Hochfeld . Zum "Medinet" gehört auch das Impfprojekt des Gesundheitsamtes, bei dem einmal im Monat kostenlose Impfungen für Menschen ohne Versicherungsschutz angeboten werden. Lesen von Originalartikel http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/10-000-menschen-in-duisburg-haben-keine-krankenversicherung-id10600549.html
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